Archiv für den Monat: Februar 2018

Gifhorn

Das alte Rathaus

Nach den vielen trüben und verregneten letzten Tagen bekomme ich heute auf der Heimfahrt einen wunderbaren und total sonnigen Tag geschenkt. Ich war über’s Wochenende in Wuppertal und habe meine ehemaligen Kollegen und meine Freunde besucht.

Bei diesem Wetter bietet sich doch auf der Fahrt ein Abstecher an. Und so komme ich nach Gifhorn. Diese niedersächsische Stadt liegt in einem Dreieck zusammen mit Braunschweig und Wolfsburg.

Geschmückt wird der Ort mit viel Wasser. Die um 1580 erbaute wehrhafte Schlossanlage ist mit einem Wassergraben umgeben. Die Ise mündet mitten in der Stadt in die Aller. Mehrere Seen liegen in und um die Stadt. In großflächigen Naturschutzgebieten und Moorlandschaften ziehen hier die Störche ihren Nachwuchs auf und in der kalten Jahreszeit überwintern sogar manche Gänse aus Sibirien direkt hier.

Mühle mit Windrad im Vordergrund zur Stadt

Die Hochzeitsmühle für Trauungen.

Bei meiner kleinen Wanderung um den Mühlensee treffe ich auf einen bodenständigen Mann, der gerade dabei ist, seine zwei friedlich dreinschauenden Kühe zu kraulen und zu füttern. Es sind „Mona“ und „Lisa“. Dazu gibt es noch eine kleine Geschichte: Als die Stadt das Naturschutzgebiet auf seine Wiese ausgeweitet hatte, sollte er als der Eigentümer enteignet werden. Es gab nur eine Möglichkeit dieser Gewalt zu entkommen: Die Wiese musste eine Weide werden. Also beschloss der Herr, die zwei Kühe, die die Weide wohl ausmachen, zu halten. Aber schon wieder stößt er an eine Grenze. Kein Mensch kann in Deutschland wohl einfach eine Kuh kaufen. Dazu muss man „Bauer“ sein. Mein freundlicher Gesprächspartner hat sich daraufhin kurzerhand als Bauer einschreiben lassen, was bestimmt auch nicht ohne besondere Anforderungen geschehen konnte. Heute ist ein Weidenzaun um das Gelände und der neue Bauer freut sich mit „MonaLisa“.

 

zwei Windmühlen leuchten in hellem weiß hinter winterlichem Gestrüp

Das Mühlen-Freilichtmuseum

Beim Rund-gang um den Mühlensee, kann ich das Mühlenmuseum nur von außen einsehen. Leider hat es über die Winterzeit für Besucher geschlossen. Auf dem 100.000 qm großen Freigelände stehen 16 Wind- und Wassermühlen aus verschiedenen Ländern. Eine russisch-orthodoxe Holzkirche kann ich auch von außen erkennen, sowie die 10 Tonnen schwere „Freiheitsglocke“, die als Denkmal die Wiedervereinigung in Deutschland symbolisiert. (Der ehemalige Grenzverlauf geht direkt am Landkreis Gifhorn entlang.)

Der Glockenpalst liegt hinter dem Mühlensee

Glockenpalast mit 50 goldenen Kuppeln am Mühlensee

Hinweistafel zum Glockenpalast

Auf dem weiteren Rundgang komme ich mir vor, als ob ich mal kurz in Petersburg gelandet wäre. Etwas Einzigartiges in Deutschland: der Glockenpalast mit 50 goldüberzogenen Kuppeln, die 50 Jahre Frieden in Deutschland symbolisieren. Und Gorbatschow legte als Schirmherr den Grundstein für das 1996 errichtete Gebäude als Kulturinstitut.

Und jetzt das Beste, was man hier nur von einheimischen Neubauern erfährt: Das ganze Museum mit dem riesigen Gelände und allem drauf und dran gehört alles einem Privatmann. Auch der Glockenpalast. Hierfür hat weder die Stadt noch das Land die Steuerschatulle geöffnet.